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Aufgrund der Situation bedingt durch die Corona-Pandemie fand die Veranstaltung nicht statt

43. Samstagsgespräch in Köln: Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs

An der Veranstaltung können nur Mitglieder teilnehmen

25 Jahre PAKH
Ein Forum für Dialogarbeit zwischen den Nachkommen der
Überlebenden und der Täter/Mittäter

Die Gründungsidee des PAKH fokussierte in erster Linie die unter Einbeziehung der persönlichen Familiengeschichte selbstreflexiven und dialogischen Aspekte der Auseinandersetzung mit den transgenerationellen Folgen der Verfolgung im Nationalsozialismus. Auf der Grundlage der Erkenntnisse dieser PAKH-internen Arbeit sollte in die Gesellschaft hineingewirkt werden. Dabei hatten die Gründungsmitglieder weniger das konkrete tagespolitische Handeln im Auge als vielmehr die allmähliche Überwindung des damals noch herrschenden Schweigens und der „Sprachlosigkeit“ durch öffentliche Aufklärung. Sie gingen von dem psychoanalytischen Grundgedanken aus, dass das Bewusstmachen und Durcharbeiten unbewusster unerledigter seelischer Inhalte und Konflikte – was sie damals in Bezug auf den Holocaust die „transgenerationelle Weitergabe“ nannten – sowohl für das Individuum wie auch für die Gesellschaft befreiende und heilsame Wirkung haben kann. So wollten sie mit den Mitteln der psychoanalytisch orientierten Aufklärungsarbeit dem Wiederaufleben von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken.

Heute erleben wir einen besorgniserregenden Rechtsruck in der deutschen Gesellschaft mit zunehmend offen ausgesprochenem und ausgelebtem Antisemitismus und Rassismus, die ihr „legitimiertes“ Sprachrohr in der AfD finden. Diese Entwicklung bedarf nicht nur der psychologischen Erklärung, sondern auch einer geeigneten Strategie, wie man ihr sinnvoll und im Rahmen unserer demokratisch-humanistischen Wertevorstellungen begegnen kann. Demnach wird unsere Arbeit heute stärker vom Spannungsfeld zwischen Psychologie und Politik, zwischen Reflexion und Handeln/Aktion bestimmt. Daraus ergeben sich neue Fragen für die zukünftige Arbeit des PAKH: Wie positionieren wir uns zum Rechtsruck in Deutschland und seinen antisemitischen und fremdenfeindlichen Tendenzen? Was können wir durch Dialog bewirken? Wo sind seine Grenzen, und was machen wir, wenn Dialog nicht mehr möglich ist? Ist Gewalt ein geeignetes Mittel, wenn das Mitgefühl verloren geht, die Vernunft ausgeschaltet wird und das Gewissen seine moralische Wirkung verliert und demzufolge der Dialog nicht mehr greift?

In der letzten Mitgliederversammlung hat Johannes Pfäfflin die Idee eines PAKH-Symposiums für das Jahr 2022 angestoßen. Sie fand große Zustimmung bei den anwesenden Mitgliedern, und der Vorstand wurde damit beauftragt, das diesjährige Samstagsgespräch „Wir über uns“ im Zeichen einer ersten Ideen-Findung für das Symposium zu planen. Das übergreifende Thema des Symposiums könnte heißen:
Dialog und/oder Aktion?.

Aus diesem Grunde wollen wir in diesem Jahr bei „Wir über uns“ unsere 25-jährige Dialogarbeit reflektieren, um aus der gemeinsamen Reflexion Ideen für die Gestaltung eines Symposiums, das sich mit den psychologischen Aspekten des Rechtsrucks befassen soll, zu entwickeln. Leitfragen für die Diskussion sollen sein:

– Was hat die Dialogarbeit innerhalb des PAKH für den Einzelnen und für die Gruppe im Laufe der Jahre bewirkt?

– Wo sind wir an Grenzen des Dialogs gestoßen?

– Reicht unsere Dialog- und Öffentlichkeitsarbeit aus, um die aktuelle politische Entwicklung auf die Dauer wirksam zu begegnen?

In kleinen Gruppen wollen wir diese Fragen diskutieren und die Ergebnisse am Ende im Plenum zusammentragen, die zur Grundlage für die Entwicklung einer Konzeption für das Symposium dienen sollen.

Ein Symposium braucht nicht nur gute Ideen, sondern zu seiner konkreten Realisierung auch viele Mitglieder, die bereit sind, sich tatkräftig an der Organisation und Gestaltung aktiv einzubringen. Damit steht und fällt die Durchführung einer solchen Veranstaltung. Daher wird am Ende auch die Frage stehen, wer sich aktiv an der Gestaltung einbringen möchte.

Der Vorstand