Stimmen der Folgegenerationen

PAKH-Mitglied Christine Stark, in:
Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.
YouTube, 03. September 2026

>> zum YouTube Video des Bundesverbands Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

>> Christine Stark auf der Homepage des Bundesverbands Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

Christine Starks Vater Josef Stark wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung von den Nationalsozialist:innen verfolgt und schließlich in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Im als „Zug ins Leben“ bekannten Transport wurde er kurz vor Kriegsende am 7. April 1945 von der SS Richtung Theresienstadt geschickt. Doch der Zug konnte am 13. April 1945 von US-Amerikanern in der Nähe des Dorfes Farsleben befreit werden. Auch Christines Großeltern wurden von den Nationalsozialist:innen deportiert – und ermordet.

In den 1960er Jahren emigrierte Josef Stark nach Köln. Auch Christine Stark verließ während der Herrschaft der Kommunistischen Partei die Tschechoslowakei und emigrierte. Nach einigen Jahren in der Schweiz zog auch sie nach Köln. Sie begann, sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen und engagiert sich heute als Zeitzeugin.

Christine Stark im Jahr 2026, Bundesverband

Stimmen der Folgegenerationen

PAKH-Vorstand Peter Pogany-Wnendt in:
Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.
YouTube, 16. Juni 2026
>> zum YouTube Interview

>> Peter Pogany-Wnendt auf der Homepage des Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

Peter Pogany-Wnendt, geb. 1954 in Budapest, wuchs mit dem Wissen auf, dass seine Eltern nur knapp den Holocaust überlebt hatten – und dass seine Großeltern von den Nationalsozialist:innen ermordet wurden.

Als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie weiß er um die Gefühlserbschaften, die die Nachkommen von NS-Verfolgten, aber auch von Täter:innen, mit sich herumtragen – und welche Auswirkungen sie auf ihr heutiges Leben haben können.

Im Interview erzählt er von seiner eigenen Familiengeschichte und den Spuren, die die NS-Zeit in Nachkommen hinterlassen kann. Er berichtet außerdem von seiner Tätigkeit im Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust, kurz PAKH e.V., dessen Vorsitzender er ist. Im Arbeitskreis begeben sich Kinder, Enkel:innen und Urenkel:innen von Verfolgten, aber auch von Täter:innen und Mitläufer:innen, über ihre Familiengeschichte in den Austausch. 

Peter Pogany-Wnendt ist Autor von „Der Wert der Menschlichkeit“ (Psychosozial-Verlag) und Co-Autor von „Das transgenerationelle Erbe von Schuld und Scham“ (Psychosozial-Verlag). 

Das Interview ist im Rahmen des Programms der Stiftung EVZ „NS-Unrecht. Welche Stimme haben wir?“ entstanden – gefördert vom Bundesministerium der Finanzen.

Die Vergangenheit in mir 

Meine Familie und die Schatten des Nationalsozialismus

von PAKH-Mitglied Andreas Bönte
Herder, 2026

Während eines durch Angststörungen bedingten Klinikaufenthalts gewinnt der Journalist Andreas Bönte erste erschreckende Einblicke in die eigene Familiengeschichte. Weitere Nachforschungen ergeben: Sein Großvater, der sich im Dezember 1944 das Leben genommen hatte, war in führender Position in der SA aktiv gewesen und hatte am 9. November 1938, der »Reichskristallnacht«, einen Schlägertrupp angeführt. Seine Mutter war begeistertes Mitglied des BDM, fand ihren Vater erschossen im Elternhaus. Aufgrund der Traumata und der Scham wird die NS-Vergangenheit der Familie jahrzehntelang totgeschwiegen. In seinem Buch erzählt Andreas Bönte von seiner Recherche, die ihn mit der Nazivergangenheit der eigenen Familie konfrontiert, seinem Eintauchen in eine Welt des Verdrängten und der Übertragung der Traumata auf ihn. Erfahrungen, die viele aus der Boomergeneration mit ihm teilen. Mit zahlreichen Bilddokumenten aus dem Archiv des Autors.

Unverarb. Gefühlserbschaften bei Nachkommen von Holocaust-Opfern vs. -Tätern sowie psychotherapeut. Auswirkungen

Hybridveranstaltung – Transgenerationale Traumata stehen im Zentrum der Vortragsveranstaltung mit Bernd Sonntag und Peter Pogany-Wnendt. Die beiden Experten beschäftigen sich seit mehr als 30 Jahren mit spezifischen Weitergabe-Mustern, insbesondere im Umfeld des Holocaust.

28. Nov. 2026, 11:00 – 14:30 KÖLN

die wohngemeinschaft • Café • Bar • Host, Richard-Wagner-Str. 39, 50674 Köln, Deutschland

Thema:
Die Rolle der engsten Angehörigen innerhalb des Nazi-Regimes oder das Schicksal nächster Verwandter im Konzentrationslager bleibt für die folgenden Generationen häufig im Dunkeln der Familiengeschichte. Schuld und Scham auf der einen sowie Schmerz und Leid auf der anderen Seite führten nicht selten zu einer großen Sprachlosigkeit. Wie sich über diese Tabuisierung spezielle Muster und individuelle Traumata manifestieren und an die Nachfahren vererben können, damit beschäftigen sich Dr. Bernd Sonntag und Dr. Peter Pogany-Wnendt seit mehr als 30 Jahren.

Ihre Erkenntnisse auf diesem Gebiet rücken die beiden Experten ins Zentrum ihres Vortrags. In einem Eröffnungsstatement erläutern sie zunächst, welche Formen solcher Gefühlserbschaften sie als wiederkehrende Muster in Opfer- und Täterfamilien beschreiben können. Die Gegenüberstellung beider Seiten ist für sie dabei von zentraler Bedeutung, denn sie macht die unterschiedlichen Auswirkungen auf Folgegenerationen besonders deutlich.

Während bei den Nachkommen der Opfer das Risiko einer sekundären Hochbelastung bis hin zu Traumatisierung inzwischen vielfach fundiert erforscht und belegt ist, ist die Auseinandersetzung mit den Täterfamilien fachlich weitaus weniger umfangreich. Dort zeigen sich etwa in ideologischen Fortführungen, Schuldverstrickungen, Bagatellisierungen, Kompensationsversuchen und beschädigten Eltern-Kind-Beziehungen ganz andere Folgen des Unausgesprochenen.  

Im Anschluss an ihre Ausführungen laden die beiden Dozierenden die Teilnehmenden vor Ort zu einer Diskussion ein. Dabei sollen vor allem persönliche Erfahrungen zur Sprache kommen. Die Wortbeiträge dürfen sich sowohl auf konkrete Beispiele aus der eigenen therapeutischen Tätigkeit als auch auf den Umgang mit dem Thema innerhalb der eigenen Familienhistorie beziehen. Online ist die direkte Beteiligung an diesem Austausch leider aus technischen Gründen nicht möglich. Über die Chatfunktion lassen sich allerdings fachliche Fragen stellen, diese beantworten die Dozierenden zwischendurch gebündelt.   

Dozierende:

Dr. Bernd Sonntag ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin sowie für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist ehemaliger leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Köln sowie Lehrbeauftragter und hat verschiedene Zusatzqualifikationen unter anderem für Familientherapie. Seine Expertise hat er als Autor von „Das Ende der Sprachlosigkeit? Auswirkungen traumatischer Holocaust-Erfahrungen über mehrere Generationen“ bewiesen. Er ist Gründungsmitglied, frühes Vorstandsmitglied, Mitherausgeber und Mitautor zentraler PAKH-Publikationen (https://www.pakh.de/). Dieser „Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust – ehem. PAKH e.V.“. entstand 1995 und verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, durch persönliche Auseinandersetzung und öffentliche Aufklärung sowohl dem individuellen als auch dem kollektiven Vergessen der Verfolgung im Nationalsozialismus entgegenzuwirken.

Dr. Peter Pogany-Wnendt ist Facharzt für psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie in Köln. Er ist Sohn von jüdischen Holocaust-Überlebenden aus Ungarn. Teile seiner Familie wurden von den Nazis ermordet. Er ist einer der Vorstände im „Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust, – ehem. PAKH e.V.“.  Seine Expertise hat er zudem als Autor von „Der Wert der Menschlichkeit“ und Co-Autor von „Das transgenerationelle Erbe von Schuld und Scham“ unter Beweis gestellt. 

Anmeldefrist: 23.11.2026

>> zur Anmeldung

History that hurts

Academics confronting their family histories: methodological and ethical inquiries

PAKH-Mitglied Natali Stegman und PAKH-Vorständin Alexandra Senfft in:
Zeitgeschichte online, 7. August 2026

„In a recent interview, Götz Aly points out that German historians, writing about the Nazi period, generally “do not have families” while Jewish colleagues have.[i] German historians, if dealing with the Nazi past, prefer to wrap their family histories in silence, apprehensive as they may be about publicly revealing them. The workshop History that hurts. Academics confronting their family histories: methodological and ethical inquiries (held on 25-26 September 2025 in Regensburg), was intended as a modest step towards addressing this common reticence, bringing together historians and anthropologists who have begun to explore their ancestors’ histories.[ii] All participants belong to the third generation that grew up with troubled and tainted family histories. Even though transmitted one way or another, past experiences often remain hidden and obscured…“

>> weiterlesen Zeitgeschichte online, 7. August 2026

Als die Angst kam, wusste er noch nichts von seiner Familiengeschichte

Andreas Bönte erkrankt an einer Angststörung. Erst als er die Nazi-Vergangenheit seines Großvaters erforscht, versteht er, was mit ihm los ist.

PAKH-Mitglied Andreas Bönte in: DIE ZEIT, 1. August 2026

„Als die Angst kam, war Andreas Bönte Mitte 30. Gerade hatte er noch als Journalist erfolgreich vor Kameras gestanden, nun litt er unter Schlaflosigkeit, Zwangsgedanken und ständiger Unruhe. Es folgten Panikattacken. Erst nach Monaten in einer Klinik ging es Bönte besser. Während einer Familienfeier sprach er mit seinem Onkel darüber. »Du weißt schon, dass deine Mutter so eine Therapie nie machen würde«, habe der gesagt, »denn dann müsste sie über den Selbstmord unseres Vaters sprechen.«
Der heute 67-Jährige erfuhr damals nicht nur, dass sein Großvater sich das Leben genommen hatte. Sondern auch, dass er an einem der schwersten Verbrechen des Nationalsozialismus, den Pogromen im November 1938, beteiligt gewesen war. Jahre später begann Bönte, sich mit seiner Familiengeschichte und den Folgen der autoritären NS-Ideologie auseinanderzusetzen – und erkannte, wie sehr beides sein Leben beeinflusst hat. Heute sagt er, die Recherche zu seinem Großvater, aus der auch sein Buch Die Vergangenheit in mir entstand, habe ihm geholfen, mit seiner psychischen Erkrankung umzugehen.

Was Bönte erlebt hat, nennen Fachleute transgenerationales Trauma. Die Folgen einschneidender Erlebnisse im Leben von Müttern, Vätern und Großeltern können sich auf ihre Kinder und Enkel übertragen. Herausgefunden hat man das ausgerechnet durch die Opfer von Männern wie Böntes Großvater. Die Kinder von Holocaust-Überlebenden zeigten in Studien auch Jahrzehnte später noch Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen – obwohl sie erst nach 1945 zur Welt gekommen waren…“

Andreas Böntes Buch Die Vergangenheit in mir erscheint am 17. August 2026 im Herder Verlag.

>> zum gesamten Beitrag (DIE ZEIT, 1. August 2026, paywall)

NSDAP-Akten online: Wandel der Erinnerungskultur?

PAKH-Mitglied Maite Billerbeck in: Podcast.de Juni 2026

Die Debatte mit Lukasz Tomaszewski, Andrea Genest und Maite
Billerbeck „Die Jugendlichen einbeziehen mit Emotionen.“ (Maite
Billerbeck) Das US-Nationalarchiv hat Millionen von
Mitgliederkarteien der NSDAP ins Internet gestellt, für alle frei
zugänglich. Mehrere deutsche Wochen- und Online-Magazine haben aus
diesem Datenwust ein digitales Tool gebaut. Seitdem recherchieren
Millionen Deutsche, ob die eigenen Familienangehören in Hitlers
Partei waren. Verändert das Recherchetool unsere Erinnerungskultur?

>> zum Beitrag

My Nazi grandfather sent Tomi Reichental to Bergen-Belsen death camp 

Despite all the suffering he endured, the Holocaust survivor chose compassion over hate

Nachruf von Alexandra Senfft, PAKH-Vorstand und Co-Sprecherin, für den Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental in der Irish Times, 2. Juni 2026

I was deeply anxious during the train journey from Vienna to Bratislava, the Slovak capital, in 2014. Holocaust survivor Tomi Reichental was expecting me there, together with Gerry Gregg’s film crew. They were shooting the documentary Close to Evil. 

Tomi was born in Czechoslovakia but moved to Ireland in 1959. He had been a young boy when he and his family were deported by the Nazis to the Bergen-Belsen concentration camp in Germany in 1944. Tomi survived, but 35 of his relatives were murdered in the Holocaust; his grandmother died before his eyes in the camp.

My grandfather, however, was Hanns E Ludin, the “envoy of the Third Reich to Slovakia”, and it was he who signed the deportation orders. Ludin was convicted as a war criminal and executed in Bratislava in 1947.

Tomi’s and my family histories were thus tragically intertwined.

>> weiterlesen, Irish Times, 1.6.2026

Foto: Tomi Reichental mit Alexandra Senfft und ihrer Tochter Magdalena bei den Dreharbeiten für Close to Evil, Bratislava 2014