Mehr als zehn Millionen Menschen waren einst in der Hitler-Partei, die meisten verschwiegen es ihr Leben lang. Jetzt ist die Mitgliederkartei online, und mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt. Was macht das neue Wissen mit dem Land?
PAKH-Co-Sprecherin Alexandra Senfft, PAKH-Mitglieder Andreas Bönte, Andrea Budde und der Kinofilm „Das Ungesagte“ von PAKH-Mitglied Lothar Herzog in: der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026
»Viele auch der Urenkel merken, dass in ihrer familiären Biografie etwas nicht stimmt«, sagt Alexandra Senfft vom Arbeitskreis fürIntergenerationelle Folgen des Holocaust, einem Dialogverein für Nachkommen von NS-Tätern und Opfern. »Sie suchen Aufklärung.« Der Arbeitskreis zähle inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Häufiger Grund für die Kontaktaufnahme: Sie seien »über die politischen Verhältnisse sehr beunruhigt«.
Folgen der NS-Zeit
Die Last des Schweigens
1933-1945: Die NS-Zeit war recht kurz, doch die Traumata, Schuld und Schweigen prägen Generationen. Immer mehr Nachkommen recherchieren: Auf welcher Seite standen die Vorfahren? Studien zeigen, wie groß die Lücke zwischen Erinnerung und Realität ist.
PAKH-Sprecher:innen Alexandra Senfft und Peter Pogany-Wnendt sowie viele weitere PAKH-Mitglieder im Podcast der Langen Nacht von Deutschlandfunk.
Ein Radiofeature von Burkhard Reinartz | 09. Mai 2026
>> zum Beitrag im Deutschlandfunk, 9.5.26
Im Großen ist die Erinnerungskultur gelungen. Jetzt kann sie auch im Privaten funktionieren
von Susanne Beyer, Spiegel 7. Mai 2026
„[…] Doch man kann lernen, diese Gefühlserbschaften zu erkennen und damit umzugehen. Zum Beispiel in Gesprächsseminaren für Nachkommen, die etwa die KZ-Gedenkstätte Neuengamme anbietet. Es gibt auch den Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust (PAKH), der Nachkommen der NS-Generation – Opfer, Täter, Mitläufer – ins Gespräch bringt. „
>> zum Beitrag in der Spiegel, 7. Mai 2026
„Plötzlich war ich Mitglied einer Täterfamilie!“
War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger.
Autorin: Andrea Mühlberger
PAKH-Vorständin und Co-Sprecherin in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026
>> zum Beitrag auf BR2

Maya Lasker-Wallfisch
PAKH-Mitglied Maya Lasker-Wallfisch ist psychoanalytische Psychotherapeutin, Autorin und Referentin. Ihre Arbeit und Bücher sind unter folgendem Link einzusehen:
Homepage von Maya Lasker-Wallfisch
Waren Angehörige Nazis? US-Archiv gibt Antworten
SRF, 14. April 2026
Waren eigene Angehörige in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, NSDAP – und haben diese Mitgliedschaft vielleicht verschwiegen? Das fragen sich auch gut 80 Jahre nach dem Nazi-Regime viele Menschen. Jetzt hilft ein neues US-Online-Archiv Antworten zu finden.
Unsere Mitglieder Astrid Geiermann und Dr. Johannes Spohr werden in diesem Schweizer Fernsehbeitrag von SRF vorgestellt.
>> zum Beitrag, SRF 14.4.26
Internationale Gedenkstätten auf die UNESCO-Welterbeliste setzen
Unser niederländisches Mitglied Martine Letterie gab eine Erklärung zum Schutz der internationalen Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager bekannt und rief mit den internationalen Komitees dazu auf, die Gedenkstätten auf die UNESCO-Welterbeliste setzen zu lassen.
Martine Letterie ist die niederländische Präsidentin der Amicale Internationale KZ-Neuengamme und Enkelin eines niederländischen Häftlings. Sie war zehn Jahre lang Präsidentin der „Stichting Vriendenkring Neuengamme“, dem niederländischen Verband der ehemaligen Häftlinge und ihrer Angehörigen.
Vom 18.-20. März nahm Martine an der von ihr maßgeblich organisierten internationalen Konferenz der Gedenkstätten in Den Haag teil, wo sie die unten stehende Erklärung der Gedenkstätten vorstellte.
Statement
At the end of the Second World War, former prisoners of the Nazi concentration and extermination camps joined together to form various international commitees, in which the national commitees from the different countries are represented: the International Auschwitz Commitee, the International Commitee for Buchenwald, Dora and the Commando camps, the International Dachau Commitee, the International Mauthausen Commitee, the International Natzweiler Commitee, Amicale Internationale KZ Neuengamme, the International Ravensbrück Commitee, and the Internationale Sachsenhausen-Commitee.
Foto: Wouter Vellekoop

Buchhinweis
Júlia Vajda: Damals, dort …
Überlebensgeschichten aus der Schoah
In ihrem Buch schreibt PAKH-Mitglied Júlia Vajda aus Budapest über die Überlebenden der Schoah und über Interviews, die sowohl sie als auch Kolleginnen und Kollegen mit ihnen geführt haben. Vajda versucht dabei zu verstehen und den Leserinnen und Lesern zu vermitteln, wie die Erzählenden all das, was mit ihnen geschehen ist, durchlebt, erlebt und überlebt haben, wie sie später mit den – psychischen und physischen – „Spuren“ der Verfolgung leben konnten und wie sie in der Lage waren, diese Last ein Leben lang mit sich herumzutragen. Die Autorin tut das zu einer Zeit, in der es bald keine Möglichkeit mehr für neue Erinnerungen und Zeugnisablegungen geben wird. Nun, da die Zeit der Überlebenden und Zeitzeugen auf das Ende zugeht. Jetzt, wo in Kürze nur noch ihre bisherigen Erzählungen bleiben, um davon zu berichten, was sie damals, dort erlebt haben.
Taschenbuch
Erscheinungsdatum 02.03.2026
Verlag: Praesens Verlag, Wien

„Kleine Pause“
Aufklärung über den Holocaust als „Zweitzeuge“ in Deutschland
mit PAKH-Mitglied Avi Applestein
25. Februar 2026
Avi Applestein ist Psychotherapeut, Sohn von Holocaust-Überlebenden und Zeitzeuge der zweiten Generation. Seine Eltern überlebten die Shoa u.a. in Auschwitz und Bergen-Belsen, ihre Geschichte prägte seine Kindheit und seinen Lebensweg tief. Heute berichtet Avi vor Schüler*innen von der Verfolgung seiner Familie und schafft einen sehr persönlichen Zugang zur Geschichte der NS-Zeit. Wir sprechen über seine Geschichte, über Verantwortung, Zugänge zum Thema Holocaust und darüber, was Erinnerung heute bedeutet. Auch geht es um die Frage, wie und warum demokratische Werte geschützt werden müssen. Ein weiterer Schwerpunkt ist sein Engagement im jüdisch-muslimischen Dialog. Gemeinsam mit einer muslimischen Freundin besucht er Schulen und zeigt, wie Begegnung, Nähe und echte Freund*innenschaft in polarisierten Zeiten gelingen kann.
Eine Folge über Erinnerung, Haltung und darüber, warum „Nie wieder“ mehr sein muss als ein Satz, der symbolpolitisch ausgehöhlt wird.
Kleine Pause, 26.2.2026
>> zum Podcast
Foto: Elise Riebel


Erklärung des PAKH-Vorstands
Es gehört mehr Mut zur Liebe als zum Hass
Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
27. Januar 2026
„Es gehört mehr Mut zur Liebe als zum Hass“. Dieser Satz aus der Berliner Ausstellung „An eine Zukunft glauben. Jüdische Biographien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945. Eine dokumentarische Annäherung“ stammt von Jeannette Wolff, jüdische Holocaust-Überlebende und Bundestagsabgeordnete der ersten Stunde.
Der Vorstand unseres Arbeitskreises für intergenerationelle Folgen des Holocaust (ehem. PAKH, Psychotherapeutischer Arbeitskreis für Betroffene des Holocaust) war zur Ausstellungseröffnung am 27. Januar 2026, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, im Bundestag eingeladen, vertreten durch Peter Pogany-Wnendt.
Jeannette Wolffs Satz ist so bewegend wie aktuell. Der gesellschaftspolitische Diskurs in Deutschland wie auch das politische Handeln weltweit offenbaren einen wachsenden Mangel an Dialog, Mitgefühl und Respekt für die Würde des Menschen. Antisemitismus, Antiziganismus, Muslimfeindlichkeit und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit treten zunehmend offen und schamlos zutage. Wo bleibt in all dem der Mut zur Liebe?
Gerade das Gedenken an die Opfer der NS-Terrorherrschaft sollte uns mahnen, Menschlichkeit und Menschenrechte nicht nur zu beschwören, sondern zu leben. Ohne Liebe könne die Menschheit keinen einzigen Tag überleben, warnte der Psychoanalytiker Erich Fromm.
