Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag 

Peter Pogany-Wnendt war für den PAKH dabei

Am 31. Januar 2024 beging der Deutsche Bundestag die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Peter Pogany-Wnendt berichtet

Es war eine besondere Ehre an der diesjährigen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag, die im Zeichen der generationsübergreifenden Auswirkungen des Holocaust stand, als Gast teilnehmen zu dürfen. Ich wurde als 1. Vorsitzender des PAKH eingeladen.

Für mich als Nachkomme von Überlebenden und Ermordeten des Holocaust hatte das eine besondere Bedeutung. Das Gedenken ist für mich ganz unmittelbar: Gedenken an das unsägliche Leid, das meine Eltern in jungen Jahren erleiden mussten – „nur weil sie Juden waren“, wie die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi in ihrer Rede sagte –, und dessen schmerzliches Erbe ich schon als Kind auf meine Schultern lud; Gedenken auch an meine ermordeten Großeltern und andere Familienangehörige, die ich nicht kennenlernen konnte.

Vor allem aber empfinde ich die Einladung als eine besondere Anerkennung und Wertschätzung der langen und beharrlichen Arbeit des PAKH. Wir machten uns die Thematik der transgenerationellen Weitergabe schon vor nahezu dreißig Jahren zu eigen, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit auf die generationsübergreifenden Auswirkungen des Holocaust aufmerksam zu machen und den Dialog unter den Nachkommen zu fördern. Es freut mich, dass die Bedeutung unseres Kernthemas inzwischen auch im Bundestag verstanden worden ist und dadurch eine breite Öffentlichkeit erreicht. Ich fühlte mich als Stellvertreter für jedes einzelne Mitglied des PAKH, das im Laufe der Jahre auf die eine oder andere Weise, mit mehr oder weniger Engagement, zum Fortleben und zur Weiterentwicklung des PAKH, trotz schwierigster Krisen, konstruktiv beigesteuert hat. Ich dachte an Liliane Opher Cohn, an Johannes Pfäfflin, an Erda Siebert und an Alexandra Senfft, um nur einige Namen zu nennen, die zu unterschiedlichen Zeiten den PAKH in besonderer Weise getragen und entscheidende Impulse gegeben haben. Und ich empfand Dankbarkeit für das, was wir auf unserem Weg gemeinsam geschaffen haben.

Zusammenhalt und Respekt vor der Würde eines jeden Einzelnen waren das unüberhörbare Signal und die klare Botschaft, die von dieser Gedenkveranstaltung und vom Deutschen Bundestag ausging. Das war eine bedeutungsvolle und notwendige Positionierung der Politik in Zeiten tiefer Verunsicherung, in denen Einstellungen stärker werden, die die Achtung vor den Mitmenschen und das Mitgefühl für das Leid anderer vermissen lassen. Das macht Hoffnung, dass sich ein menschliches Miteinander durchsetzen wird und macht Mut, dafür zu kämpfen.
In den Reden wurde nicht allein an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht, sondern auch der Bezug zur Gegenwart hergestellt, zum Antisemitismus, zur Gewalt und zu den menschenverachtenden Tendenzen, die sich in der deutschen Gesellschaft breit machen.

Bärbel Bas erteilte diesen Tendenzen eine klare Absage: „Dieser Ausbruch des Antisemitismus ist eine Schande für unser Land. […] Lassen Sie uns alle den Mut haben: nicht zu schweigen, sondern Hass und Menschenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten!“ Sie verurteilte den mörderischen Angriff der Hamas auf Israel scharf und brachte die Solidarität mit Israel und mit den Juden in Deutschland zum Ausdruck. Auch wenn mir bei manchen Sätzen das kritische „Ja, aber“ in den Kopf kam, hatte diese Solidaritätsbekundung für mich als Jude ein besonderes Gewicht. In meiner Kindheit und Jugend in Chile wurde ich in der Schule unentwegt als „Scheiß-Jude“ beschimpft. Da war niemand, der sich solidarisch mit mir gezeigt und mich in Schutz genommen hätte. Daher hat mich das klare Solidaritätsbekenntnis der Bundesregierung tief berührt, denn es lässt mich nicht mit dem Gefühl der Schutzlosigkeit so einsam und verlassen fühlen, wie in meiner Kindheit und Jugend. Ich kann nur solidarisch sein, wenn mir Solidarität entgegengebracht wird. (Ich vermute, dass den meisten Jüdinnen und Juden ähnlich ergehen wird).

Großonkel Pauls Geigenbogen

Das berührende Memoir einer preußischen Sinti-Familie

Vorankündigung: Das neue Buch von Alexandra Senfft, 2. Vorsitzende des PAKH

Seit mehr als 600 Jahren leben Sinti in Deutschland, Roma seit 200 Jahren. Ihre Kultur reicht viele Jahrhunderte zurück und ist tief mit der deutschen Historie verwoben. Anfangs noch als Handwerker, Künstler und Kaufleute hochgeachtet, wurden sie schon bald systematisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen und verfolgt. Bis heute halten sich diskriminierende Stereotype und starke Vorurteile gegenüber der größten Minderheit Europas. Der preußische Sinto Romeo Franz kämpft seit Jahrzehnten für die Rechte von Sinti und Roma. In »Großonkel Pauls Geigenbogen« erzählt er seine beeindruckende deutsche Familiengeschichte. Wohl situiert, waren seine Ahnen bereits im 17. Jahrhundert ansässig in Preußen, Schlesien und Pommern und prägten dort die kulturelle und kaufmännische Welt. Mitreißend erzählt Franz die Chronik seiner Familie vom 19. Jahrhundert bis heute. Schillernde Charaktere und außergewöhnliche Schicksale treten ans Licht – aber auch die Erinnerungen an Ausgrenzung, Abwertung im Kaiserreich und schließlich die Vernichtung durch die Nazis.

Mit großem Stolz gibt er tiefe Einblicke in seine Herkunft und beleuchtet nicht nur die Bedeutung von Musik, Familie und Zusammenhalt, sondern auch die Folgen der fortgesetzten Verfolgung, die bis in die heutigen Generationen nachwirken. Romeo Franz‘ Geschichte ist ein bewegendes Plädoyer gegen Antiziganismus und eine Einladung zur Auseinandersetzung und zum Umdenken hin zu etwas ganz Selbstverständlichem: Gleichberechtigung.

Goldmann – Randomhouse/Penguin, 20. März 2024
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Zerrbilder

ZerrbilderVerlust, Verleugnung, Verschweigen
Reflexionen über die Mechanismen familiärer Erinnerungen – ein Prozess

Alexandra Senfft, 2. PAKH-Vorsitzende in:
Gross, Ulrich, Schuck (Hg.) Zerrbilder. Zum Wirken und Fortwirken nationalsozialistischer Mentalität
Ch. Links, Aufbau Verlage, Berlin
erscheint April 2024

Eine Festschrift für Werner Konitzer

Der Nationalsozialismus produzierte Zerrbilder, die bis heute nachwirken. Die historische Auseinandersetzung mit ihnen ist keineswegs abgeschlossen, wie die Beiträge dieses Bandes zu Ehren des Philosophen Werner Konitzer eindrucksvoll belegen. Die Autorinnen und Autoren folgen ihm, der sich um die Erforschung der nationalsozialistischen Morallehren und Sittlichkeitsvorstellungen verdient gemacht hat, in dem Versuch, die Untiefen der NS-Geschichte auszuloten und deren Folgen zu begreifen.

Mit Beiträgen von Johanna Bach, Fritz Backhaus, Jonas Balzer, Philipp Batthyány, Martin Bauer, Andrea Büttner, Emmanuel Faye, Lena Foljanty, Raphael Gross, Wolfgang Kraushaar, Kathrin Meß, David Palme, Herlinde Pauer-Studer, Monika Schmidt, Dirk Schuck, Alexandra Senfft, Bernd Ulrich, Michael Wildt und Rolf Zimmermann

https://www.aufbau-verlage.de/ch-links-verlag/zerrbilder/978-3-96289-211-1

PAKH-Mitglied Oliver Sears von Holocaust Awareness Ireland im Gespräch mit Daniel Mendelsohn

The Objects of Love
PAKH Member Oliver Sears and Daniel Mendelsohn in Conversation 

View on YouTube
www.youtube.com/watch?v=Ok3Ss1aPntw

London born, Dublin-based art dealer and curator Oliver Sears is joined by award-winning author and critic Daniel Mendelsohn for an intimate and illuminating conversation about this powerful exhibition, The Objects of Love, on view at 92NY’s Weill Art Gallery from September 13 through November 28.
First shown to great acclaim at Dublin Castle in Ireland, The Objects of Love vividly tells the story of one family torn apart in Nazi-occupied Poland. This emotional journey unveils Oliver Sears’ family story through a curated collection of precious objects, photos, and documents passed down through three generations. How do we honor our loved ones — and our own personal histories — in the wake of atrocity? What story emerges, reconstructed from objects and keepsakes retrieved from the Holocaust, about what we’ve lost?
Recorded Sep 13, 2023 at 92nd Street Y, New York.

Ankündigung Vortrag

„Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“ – Heimat als ambivalenter Ort

Vortrag der Psychoanalytikerin und Autorin Annette Simon, am 10.  November 2023, 19 Uhr

EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23 – 25, 50667 Köln

Am 11. November diskutiert Annette Simon im PAKH-Samstagsgespräch mit den PAKH-Mitgliedern.


Einladung zu einer Veranstaltung des PAKH in Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie im Rheinland e.V. (IPR) und dem NS-Dokumentationszentrum Köln.

„Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“ – Heimat als ambivalenter Ort.

Assoziationen zu Deutschland 33 Jahre nach der Vereinigung.

Vortrag von Annette Simon  am

Freitag, 10 November 2023, 19:00 Uhr

Heimat ist in der deutschen Geschichte ein sehr verschieden besetzter Begriff. Anhand von Assoziationen zu einem Ost/West-Traum der Autorin werden verschiedene Facetten des gegenwärtigen Standes der deutschen Vereinigung aufgeblättert. Die unterschiedlichen Alltagskulturen beider Seiten, die ab 1989 aufeinandertrafen, werden in ihrer Entwicklung angesehen und dabei wird auch die Verschiedenheit ostdeutscher Biographien betont.

Des weiteren wird die Trauer über den Verlust der DDR beschrieben als eine Trauer über den Verlust einer zwiespältigen Heimat und von Utopie, aber auch als eine Trauer über nicht gelebte Möglichkeiten. Hat die Westseite auch etwas zu betrauern? Und wie können wir uns im neuen Deutschland mit allen unseren verschiedenen Identitäten zusammenfinden?

Annette Simon Diplom-Psychologin, Psychoanalytikerin, Lehranalytikerin der DGPT und APB. In den 70er und 80er Jahren Mitglied verschiedener oppositioneller Gruppen in der DDR, 1989 Mitglied im Neuen Forum. Publizistisch tätig seit 1991 zu den psychosozialen Prozessen der deutschen Vereinigung. 2020 Mitglied der Regierungskommission „ 30 Jahre Friedliche Revolution und deutsche Einheit.“

Das Dachau Institut

PAKH-Mitglied Dr. Jürgen Müller-Hohagen mit Ingeborg Müller-Hohagen in:
„Täterkind — Der Holocaust in uns“

Das Dachau Institut Psychologie und Pädagogik ist ein Ort, an dem Menschen sich über die Folgen des Nationalsozialismus austauschen können. Es wurde von Ingeborg und Dr. Jürgen Müller-Hohagen gegründet, mit denen das Täterkind Lars Winkler in dieser Episode ein Gespräch führt.

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Sinti und Roma im Schatten der NS-Verfolgung (Porajmos)

PAKH Gesprächlabor mit Teilnahme von Daniel Strauß

Daniel Strauß engagiert sich seit vielen Jahren für die gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland und Europa. Als langjähriger Vorstandsvorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e. V. war er maßgeblich an der Entwicklung und am Abschluss des ersten Staatsvertrags mit gesetzlichem Status zwischen dem Landesverband und dem Land Baden-Württemberg beteiligt. Er ist Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Hildegard Lagrenne Stiftung für Inklusion, Bildung und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung der Sinti und Roma e. V. BVSR