Wer in der NSDAP-Mitgliederkartei seinen Opi findet, kann die Wahrheit trotzdem leugnen

Seit der Online-Öffnung der NSDAP-Mitgliedskartei suchen viele Deutsche dort nach ihren Vorfahren. Doch was kann die Privat-Recherche in Zeiten der AfD bewirken? „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ ist jedenfalls die falsche Frage

von PAKH-Vorstand Alexandra Senfft
der Freitag, 30. Mai 2026
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[Auszug]
„Der „Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust“

Die intergenerationalen Folgen oder das, was psychologisch als „Gefühlserbschaften“ bezeichnet wird, sind bis heute wirkmächtig, auch wenn die Täter:innen nicht mehr leben. Schuld-, Scham- oder Hassgefühle, Ängste und unbewusste Aufträge sind äußerst lebendig. In den einen nähren sie das Bedürfnis nach Aufklärung und politischer Verantwortung. In den anderen wecken sie die Lust, zu reinszenieren, was nie bearbeitet wurde, und führen zu politischer Verantwortungslosigkeit, zum Angriff auf die Demokratie und Menschenrechte. Tatsächlich ist die Geschichte noch immer so „heiß“, dass Verdrängen und Verleugnen die Aufklärung weiter behindern. „Warum in der Vergangenheit wühlen, die ist doch längst vorbei?“, heißt es lapidar. Der Scherge des Feudalherrn war schon immer schön weit weg.

Der „Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust“, 1995 für Nachkommen der Opfer und Täter gegründet, wächst seit dem Ukraine-Krieg und der Corona-Pandemie schneller denn je. Es gibt eben auch das drängende Bedürfnis, die eigene Geschichte vor dem Hintergrund der Gegenwart zu verstehen. Dass das NS-Gedankengut in Form rechtsradikaler, autoritärer Bewegungen eine bedrohliche Renaissance erlebt, treibt diesen Trend bei einer Minderheit an. Wer sich kognitiv und emotional mit den psychologischen Folgen der NS-Zeit und deren Wirkung auf das eigene Leben, die Gesellschaft und die Politik konfrontiert, ist vor innerfamiliären oder sozialen Konsequenzen weiter nicht gefeit. Bequem ist an einer authentischen Auseinandersetzung jedenfalls wirklich nichts. Schon gar nicht sind es Dialoge über den Abgrund der Geschichte hinweg, sie kosten Mut und Anstrengung. Aktuelle Auslöser, selbst scheinbar triviale, können zwischen Nachkommen von Verfolgten und Verfolgern unversehens zu Spannungen, explosiven Situationen und Beziehungsabbrüchen führen…

Das Lügen hat ein Ende

Mehr als zehn Millionen Menschen waren einst in der Hitler-Partei, die meisten verschwiegen es ihr Leben lang. Jetzt ist die Mitgliederkartei online, und mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt. Was macht das neue Wissen mit dem Land?

PAKH-Co-Sprecherin Alexandra Senfft, PAKH-Mitglieder Andreas Bönte, Andrea Budde und der Kinofilm „Das Ungesagte“ von PAKH-Mitglied Lothar Herzog in: der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026

»Viele auch der Urenkel merken, dass in ihrer familiären Biografie etwas nicht stimmt«, sagt Alexandra Senfft vom Arbeitskreis fürIntergenerationelle Folgen des Holocaust, einem Dialogverein für Nachkommen von NS-Tätern und Opfern. »Sie suchen Aufklärung.« Der Arbeitskreis zähle inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Häufiger Grund für die Kontaktaufnahme: Sie seien »über die politischen Verhältnisse sehr beunruhigt«.

>> gehe zu Der Spiegel Nr. 21. 15. Mai 2026

„Plötzlich war ich Mitglied einer Täterfamilie!“

War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger.

Autorin: Andrea Mühlberger

PAKH-Vorständin und Co-Sprecherin in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026

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Waren Angehörige Nazis? US-Archiv gibt Antworten

SRF, 14. April 2026

Waren eigene Angehörige in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, NSDAP – und haben diese Mitgliedschaft vielleicht verschwiegen? Das fragen sich auch gut 80 Jahre nach dem Nazi-Regime viele Menschen. Jetzt hilft ein neues US-Online-Archiv Antworten zu finden.

Unsere Mitglieder Astrid Geiermann und Dr. Johannes Spohr werden in diesem Schweizer Fernsehbeitrag von SRF vorgestellt.

>> zum Beitrag, SRF 14.4.26

„Kleine Pause“

Aufklärung über den Holocaust als „Zweitzeuge“ in Deutschland
mit PAKH-Mitglied Avi Applestein

25. Februar 2026

Avi Applestein ist Psychotherapeut, Sohn von Holocaust-Überlebenden und Zeitzeuge der zweiten Generation. Seine Eltern überlebten die Shoa u.a. in Auschwitz und Bergen-Belsen, ihre Geschichte prägte seine Kindheit und seinen Lebensweg tief. Heute berichtet Avi vor Schüler*innen von der Verfolgung seiner Familie und schafft einen sehr persönlichen Zugang zur Geschichte der NS-Zeit. Wir sprechen über seine Geschichte, über Verantwortung, Zugänge zum Thema Holocaust und darüber, was Erinnerung heute bedeutet. Auch geht es um die Frage, wie und warum demokratische Werte geschützt werden müssen. Ein weiterer Schwerpunkt ist sein Engagement im jüdisch-muslimischen Dialog. Gemeinsam mit einer muslimischen Freundin besucht er Schulen und zeigt, wie Begegnung, Nähe und echte Freund*innenschaft in polarisierten Zeiten gelingen kann.

Eine Folge über Erinnerung, Haltung und darüber, warum „Nie wieder“ mehr sein muss als ein Satz, der symbolpolitisch ausgehöhlt wird.

Kleine Pause, 26.2.2026

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Foto: Elise Riebel

Erklärung des PAKH-Vorstands

Es gehört mehr Mut zur Liebe als zum Hass
Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

27. Januar 2026

„Es gehört mehr Mut zur Liebe als zum Hass“. Dieser Satz aus der Berliner Ausstellung „An eine Zukunft glauben. Jüdische Biographien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945. Eine dokumentarische Annäherung“ stammt von Jeannette Wolff, jüdische Holocaust-Überlebende und Bundestagsabgeordnete der ersten Stunde.

Der Vorstand unseres Arbeitskreises für intergenerationelle Folgen des Holocaust (ehem. PAKH, Psychotherapeutischer Arbeitskreis für Betroffene des Holocaust) war zur Ausstellungseröffnung am 27. Januar 2026, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, im Bundestag eingeladen, vertreten durch Peter Pogany-Wnendt.

Jeannette Wolffs Satz ist so bewegend wie aktuell. Der gesellschaftspolitische Diskurs in Deutschland wie auch das politische Handeln weltweit offenbaren einen wachsenden Mangel an Dialog, Mitgefühl und Respekt für die Würde des Menschen. Antisemitismus, Antiziganismus, Muslimfeindlichkeit und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit treten zunehmend offen und schamlos zutage. Wo bleibt in all dem der Mut zur Liebe?

Gerade das Gedenken an die Opfer der NS-Terrorherrschaft sollte uns mahnen, Menschlichkeit und Menschenrechte nicht nur zu beschwören, sondern zu leben. Ohne Liebe könne die Menschheit keinen einzigen Tag überleben, warnte der Psychoanalytiker Erich Fromm.

„Erklärung des PAKH-Vorstands“ weiterlesen

Begleitmaterial zum Film „Das Ungesagte“

PAKH-Mitglied, der Dokumentarfilmer Lothar Herzog, bietet mit seinem Team Begleitworkshops in Schulen und Universitäten zu seinem Film mit Patricia Hector „Das Ungesagte“ an.

Wie kann ich mit Jugendlichen so zum historischen Nationalsozialismus und zur deutschen Erinnerungskultur arbeiten, dass diese einen eigenen Bezug zur Thematik entwickeln? Wie können sie eine eigene kritische Perspektive auf den Film entwickeln und sich hierbei sowohl historisches Faktenwissen wie auch Grundlagen einer kritischen Medienkompetenz aneignen? Das vorliegende pädagogische Konzept zum Film „Das Ungesagte“ gibt eine mögliche Antwort auf diese Fragen. Es wurde seit 2025 bundesweit im Rahmen eines von der Stiftung EVZ geförderten Projektes an 12 Schulen und anderen Bildungseinrichtungen erprobt und verfeinert und wird von den Autor:innen Lothar Herzog, Patricia Hector und Thomas Blum hier kostenfrei zur Verfügung gestellt.   

„Begleitmaterial zum Film „Das Ungesagte““ weiterlesen

Das Ungesagte

Ein Film von PAKH-Mitglied Lothar Herzog und Patricia Hector

>> zur Homepage von Das Ungesagte hier

„Die Filmemacher entlasten ihre Zuschauer:innen nicht, sondern konfrontieren sie mit den ambivalenten Gefühlen und Abwehrhaltungen ihrer Protagonist:innen. So sehen die schrecklichen Folgen von Faschismus aus. Wer genauer hinsieht, findet sie in der eigenen Familie.“

Alexandra Senfft, Autorin von »Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte« und PAKH-Vorstand

Gedenken an Opfer von SS-Massaker

Schüler erinnern sich als „Zweitzeugen“

Unser PAKH-Mitglied Maite Billerbeck, Vorständin vom Verein zur Förderung der Erinnerungskultur e.V., leitet das deutsch-italienische Schüleraustauschprojekt „Tikun Olam“

Wie kann das Erinnern an die NS-Zeit und den Holocaust fortgeführt werden, wenn Zeitzeugen nicht mehr davon berichten können? Im Rahmen des Projekts „Zweitzeugen“ erforschen junge Menschen nun ihre Familiengeschichten, tauschen sich aus und gedenken. So auch zwei Schülergruppen am Berliner Albert-Einstein-Gymnasium.
 
zum Beitrag von Andrea Everwien, rbb, 11. Oktober 2025

„Ich war schockiert angesichts des Schweigens in Deutschland“

PAKH-Mitglied Agnieszka Lessmann, Tochter eines jüdischen Holocaust-Überlebenden
in: Kölner-Stadtanzeiger, 7.10.2025

„Wir müssen uns unsichtbar machen, schweigen, unsere Identität verleugnen.“ Dieser Gedanke treibe seit dem 7. Oktober 2023 viele Jüdinnen und Juden in Deutschland um, sagt  Agnieszka Lessmann, „und auch viele Palästinenser“. Palästinenser werden gleichgesetzt mit Terroristen und Antisemiten, Juden mit der Politik Israels  oder gleich mit dem Teufel. An Geschäften hängen wieder Schilder mit den Lettern „Kein Zutritt für Juden“, wie kürzlich in Flensburg, in Köln tritt die Synagogengemeinde aus einem interreligiösen Friedensgebet aus, weil sie sich vom Dialog nach israelfeindlichen Mails ausgegrenzt fühlt…

Als gemeinsamer Feind, beeilt sich die besonnene Schriftstellerin fast zu sagen, würden von der rechtsextremen Propaganda in ganz ähnlicher Weise Palästinenser und Muslime dargestellt: „Fanatiker, Terroristen, Messerstecher – mit diesen Diffamierungen wird Politik gemacht.“ Das sei besonders beängstigend in einer Zeit, in der „mit Lügen Wahlen gewonnen werden und jedes Bild, jeder Text, jedes Video im Internet gefälscht sein kann“…

Lessmann brach ihr Schweigen über wichtige Abschnitte ihrer Biografie im Januar 2024 in Köln. Ein feministisches Frauenbündnis hatte zu einer Demonstration gegen Antisemitismus – und speziell gegen die Verschwörungstheorie, dass die Hamas keine Frauen und Kinder vergewaltigt habe bei dem Massaker vom 7. Oktober – aufgerufen. Lessmann erzählte mitten in der Stadt ihre Geschichte. Vom Vater, der geschwiegen habe über die Konzentrationslager, was sie verstanden habe, und das Schweigen nach dem 7. Oktober, was sie nicht verstanden habe. Sie sprach auch darüber, wie sie selbst als vierjähriges Mädchen das „Gerücht über die Juden“ erlebt hatte und aus ihrer polnischen Heimat herausgerissen worden war…“

>> zum gesamten Beitrag im Kölner-Stadtanzeiger, 7.10.25