Trauer um den Journalisten Ingo Zander

Mit Trauer und Bestürzung mussten wir erfahren, dass der Journalist Ingo Zander am 27.10.2021 unerwartet gestorben ist. Ingo Zander gehörte zu den Journalisten, die keine Scheu vor dem journalistischen Kontakt mit AfD Mitgliedern hatten, und war eine stetig warnende Stimme vor den rechtsradikalen, rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft. Ingo Zander war dem Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH freundschaftlich verbunden. Er hat sich nicht nur von Zeit zu Zeit in verschiedenen Gruppen, wie dem Literaturkreis oder in der Gruppe „Aktuelles“ mit seinem profunden Wissen zu den Themen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und AfD eingebracht, sondern hat auch in der Sendung „Neugier genügt“ auf WDR 5 über den PAKH berichtet. Seine Stimme wird fehlen.

Online Veranstaltung: Das Elend der Verschickungskinder

7. Mai 2021, 18-19:30 Uhr Einladung zu einem Online-Vortrag für PAKH Mitglieder, PAKH-Freund*innen und Kooperationspartner*innen.
Wegen einer Teilnahmebegrenzung bitten wir, sich bis zum 6. Mai zum Online-Vortrag per Email anzumelden unter info@pakh.de

Das Elend der Verschickungskinder ist erst seit August 2019 öffentlich geworden. Die 6-wöchigen Aufenthalte betrafen Kindern ab dem 2. Lebensjahr. In Kindererholungsheimen, Kinderheilstätten und Kinderkureinrichtungen herrschten in den 50-90er Jahren teils finstere und grausame Zustände. Noch weit nach Ende des Faschismus wurde dort unter Ausschluss der Eltern und der Öffentlichkeit eine schwarze  Pädagogik propagiert und praktiziert, die nicht in den Kompetenzbereich medizinischer Berufe fällt und dem Stand der Zeit nicht entsprach. Vierjährige Kinder wurden während dieser „Erholungsaufenthalte“ gedemütigt, beleidigt, geschlagen und in einer Weise traktiert und mit Strafen überzogen, die an NS-Gefängnisse erinnern. Die Motive der Ärzte und Pflegekräfte sind dabei kritisch zu untersuchen, da neben der vorgeblichen Absicht, den Kindern Erholung von Krankheiten angedeihen zu lassen, andere Motive und Interessen immer deutlicher zutage treten: Die Nachwirkungen der NS-Zeit sind überdeutlich. Anja Röhl hat in ihrem kürzlich erschienenen Buch: Das Elend der Verschickungskinder, erstmalig dieses Phänomen untersucht und stellt den aktuellen Forschungsstand vor. Anja Röhl machte das Trauma der Verschickungskinder 2019 in der breiten Öffentlichkeit publik. Als Betroffene gründete die Sonderpädagogin und Autorin 2019 mit anderen ehemaligen Verschickungskindern die Initiative Verschickungskinder (www.verschickungsheime.de). Sie hält Vorträge zum Thema und sammelt seit Jahren Betroffenenberichte. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Frühpädagogik, institutionelle Gewalt und transgenerationale Weitergabe von NS-Erziehung. Im Januar 2021 erschien ihr Buch »Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt« im Psychosozial-Verlag. Davor erschien von ihr 2013 „Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike“.

Pumla Gobodo-Madikizela (edit.): History, Trauma and Shame

Engaging the Past through Second Generation Dialogue

History, Trauma and Shame provides an in-depth examination of the sustained dialogue about the past between children of Holocaust survivors and descendants of families whose parents were either directly or indirectly involved in Nazi crimes. Taking an autobiographical narrative perspective, the chapters in the book explore the intersection of history, trauma and shame, and how change and transformation unfolds over time. The analyses of the encounters described in the book provides a close examination of the process of dialogue among members of The Study Group on Intergenerational Consequences of the Holocaust (PAKH), exploring how Holocaust trauma lives in the ‘everyday’ lives of descendants of survivors. It goes to the heart of the issues at the forefront of contemporary transnational debates about building relationships of trust and reconciliation in societies with a history of genocide and mass political violence. This book will be great interest for academics, researchers and postgraduate students engaged in the study of social psychology, Holocaust or genocide studies, cultural studies, reconciliation studies, historical trauma and peacebuilding. It will also appeal to clinical psychologists, psychiatrists and psychoanalysts, as well as upper-level undergraduate students interested in the above areas.

With contributions by PAKH members Beata Hammerich, Erda Siebert, Peter Pogany-Wnendt, Johannes Pfäfflin and Elke Horn

Pumla Gobodo-Madikizela is Professor and holds the South African National Research Foundation Research Chair in Violent Histories and Transgenerational Trauma  in the Faculty of Arts and Social Sciences at Stellenbosch University, South Africa. She is the author of the award-winning A Human Being Died that Night: A South African Story of Forgiveness.

>> www.routledge.com

Alexandra Senfft: The Long Shadow of the Perpetrators

This article addresses the transgenerational consequences of the Second World War and the Holocaust for the descendants of the Nazi perpetrators and bystanders. Using the example of her own family, the author traces the external obstacles and the psychological difficulties arising from working through a legacy of crime, compounded by the fact that an atmosphere of taboos, silence and denial has persisted within German families – in spite of all the research and enlightenment in the academic and political spheres. The author argues that the patterns of feeling, thinking and action are often passed down when they are not scrutinised. Meaningful dialogues with the survivors and their descendants, as well as authentic remembrance, the author claims, can only take place if descendants of the victimisers break away from those generationally transmitted narratives which continue to evade the entire truth about the crimes committed by the Nazis and their accomplices in Europe.
in: European Judaism. A Journal for the New Europe, Vol. 53: Issue 2, September 2020, pages 77-86

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Das Böse in der Geschichte

Rezension von Jan Plamper

Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik und der Umgang mit Krieg, Besatzung, Aufarbeitung der Verbrechen – Vergleiche lassen sich als Quellenarbeit, Personengeschichte, Strukturanalysen oder mit Hilfe einer oral history ziehen. Die Philosophin Susan Neiman hat in ihrem Buch „Von den Deutschen lernen“ alles mit einbezogen, und Jan Plamper ist davon angetan:
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75 Jahre Kriegsende

In vielen europäischen Ländern ist der 8. Mai ein Feiertag. Auch in Deutschland wird an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Wie wichtig ist heute die Versöhnung über Grenzen hinweg? PAKH-Mitglied Beate Bornmüller in: sonntags, ZDF, 10.05.2020
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43. Samstagsgespräch – 25 Jahre PAKH – Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs

Ein Forum für Dialogarbeit zwischen den Nachkommen der
Überlebenden und der Täter/Mittäter

Die Gründungsidee des PAKH fokussierte in erster Linie die unter Einbeziehung der persönlichen Familiengeschichte selbstreflexiven und dialogischen Aspekte der Auseinandersetzung mit den transgenerationellen Folgen der Verfolgung im Nationalsozialismus. Auf der Grundlage der Erkenntnisse dieser PAKH-internen Arbeit sollte in die Gesellschaft hineingewirkt werden. Dabei hatten die Gründungsmitglieder weniger das konkrete tagespolitische Handeln im Auge als vielmehr die allmähliche Überwindung des damals noch herrschenden Schweigens und der „Sprachlosigkeit“ durch öffentliche Aufklärung. Sie gingen von dem psychoanalytischen Grundgedanken aus, dass das Bewusstmachen und Durcharbeiten unbewusster unerledigter seelischer Inhalte und Konflikte – was sie damals in Bezug auf den Holocaust die „transgenerationelle Weitergabe“ nannten – sowohl für das Individuum wie auch für die Gesellschaft befreiende und heilsame Wirkung haben kann. So wollten sie mit den Mitteln der psychoanalytisch orientierten Aufklärungsarbeit dem Wiederaufleben von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken.

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Stellungnahme des PAKH zum Anschlag in Hanau am 19.02.2020

Wir trauern um die Opfer des menschenverachtenden Anschlags am 19. Februar in Hanau und fühlen mit den Angehörigen der Ermordeten und den Verletzten. Wir sagen NEIN zu Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus und fühlen uns solidarisch mit allen Menschen, die dies mit uns teilen und sich den Werten der Offenheit, Toleranz und Humanität verpflichtet fühlen.