Rezensiert von PAKH-Mitglied Prof. Dr. Angela Moré, 10.09.2025
Peter Pogany-Wnendt, Beata Hammerich, Elke Horn, Johannes Pfäfflin, Erda Siebert: Das transgenerationelle Erbe von Schuld und Scham. Von traumatischer Erstarrung zum empathischen Dialog. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2024
Seit mehreren Jahrzehnten befassen sich insbesondere Psychoanalytiker:innen, aber auch Psychotherapeut:innen und (Sozial)Pädagog:innen mit dem Phänomen der unbewussten Weitergabe von Traumata und Schuld an nachkommende Generationen (vgl. „Transgenerationale Weitergabe“ in socialnet-Lexikon). Die Autor:innen dieses Bandes behandeln die Folgen der transgenerationalen Weitergabe nicht (nur) theoretisch, sondern insbesondere in ihren eigenen Biographien und in der Begegnung mit Nachkommen der jeweils „anderen Seite“. Denn sie sind selbst Kinder von Überlebenden der Shoah oder aber aus Täterfamilien, aber alle auch Psychoanalytiker:innen, für die das Erkennen eigener unbewusster Vorstellungen und Gefühle Grundlage ihres Selbstverständnisses und ihrer Professionalität ist. In ihren Begegnungen und Dialogen wurde ihnen deutlich, wie sehr unbewusst aufgenommene Ängste, Ideale und traumatische Bilder der Eltern- und Großelterngeneration in ihnen wirksam sind und die für sie so wesentliche Fähigkeit zu Empathie einschränken können. In einem langjährigen Prozess der gemeinsamen Auseinandersetzung wie auch Selbstreflexion gelingt es den beteiligten dieser Gruppe, diese blinden Flecken in ihren Gefühlserbschaften aufzuspüren und durchzuarbeiten.
socialnet, 10. September 2025
