PAKH-Vorstand Peter Pogany-Wnendt in:

Germany’s historical reckoning is a warning for the US

Germany is held up as the model for historical reconciliation. But as America grapples with the legacy of racial violence, the real lesson lies in the conversations Germans still can’t have, Erica Hellerstein in Codastory, 30 March 2022
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Stoppt den russischen Krieg gegen die Ukraine

Stellungnahme des PAKH-Vorstands, 6. März 2022

77 Jahre nach dem Ende der mörderischen NS-Herrschaft erleben wir eine in Europa für kaum mehr möglich gehaltene Invasion: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wie Hitler 1939 wird auch heute Putin von der Allmachtsvorstellung der Wiederherstellung eines Imperiums getrieben. Dieses Ziel verfolgt er voller Grausamkeit, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir verurteilen das unmenschliche Vorgehen Putins und seiner Mittäter.

Wir Mitglieder von PAKH sind Nachkommen von Opfern, Überlebenden und Verfolgten sowie Tätern, Mittätern oder Mitläufern des Holocaust. Bis heute bemühen wir uns um einen intensiven Austausch mit dem Ziel, uns das transgenerationelle Erbe der Feindschaften unserer Eltern, Groß- und Urgroßeltern bewusst zu machen. Krieg hinterlässt nicht nur verwüstete Städte und Landschaften, sondern führt auch zu verhängnisvollen seelischen Folgen. Die Überlebenden des Holocaust und die NS-Verfolgten wurden durch das erfahrene Leid meist so schwer traumatisiert, dass sie kaum in der Lage waren, das Erlittene emotional zu verarbeiten. Die mangelnde Anerkennung ihres Leids verlängerte es darüber hinaus für Jahrzehnte. Auf der anderen Seite die schwere Schuld der Aggressoren, die ihre Mitmenschlichkeit verdorren ließ. Diese Gefühlserbschaften unverarbeiteten Leids einerseits sowie verleugneter und verdrängter Schuld andererseits wurden über Generationen an uns Nachkommen weitergegeben: Sie arbeiten weiter in uns.

Die Bilder der Zerstörung in den ukrainischen Städten, von weinenden Kindern, Frauen und Männern sowie von Flucht verstören und wecken in uns allen, besonders aber in den Nachkommen der vom NS-Regime Verfolgten, schlimmste Assoziationen und Gefühle. Wo wird diese militärische Auseinandersetzung enden? Putins Behauptung der „Entnazifizierung der Ukraine“ ist eine infame Täter-Opfer-Umkehr und Umdeutung von Geschichte. Er und seine Regierung greifen nicht nur die Ukraine an. Sie führen Krieg gegen die Werte der Menschlichkeit: Solidarität, Fürsorglichkeit, Respekt vor der Würde und Selbstbestimmung, dem Leben der Mitmenschen. Das ist – wie jeder Krieg und jede Verletzung der Menschenrechte – ein Angriff gegen uns alle.

Was die heutige Situation von 1939 und 1941 unterscheidet, sind die Solidarität und eindeutige Verurteilung des Vorgehens Russlands durch Europa und fast aller Staaten dieser Welt. Die starken Reaktionen auf Putins Aggression und die Hilfsbereitschaft für die Flüchtenden lassen uns die Hoffnung nicht aufgeben.

Unser Verein will durch Arbeit an der Erinnerung und an den Gefühlserbschaften dazu beitragen, die Kräfte der Menschlichkeit und der Zivilcourage in der Gesellschaft zu stärken. Wir solidarisieren uns mit den Menschen in der Ukraine sowie dem demokratisch gesinnten Widerstand in Russland. Wir wenden uns ausdrücklich nicht gegen die Menschen in Russland. Der Dialog zur russischen Bevölkerung sowie zu Russen in Deutschland und anderswo muss dringend aufrechterhalten bleiben.

Wir sagen NEIN zu diesem Krieg!

Der Vorstand

Der Täter in meiner Familie

Der Zweite Gedanke

Die „Wannsee-Konferenz“ – 80 Jahre später (2/3)

Die Debatte mit Carla Spangenberg, PAKH-Vorstandsmitglied Alexandra Senfft und PAKH-Mitglied Johannes Spohr

>> RBB, Do 20.01.2022 | 19:00 |
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Johannes Spohr © Susanne Hakuba
Bild: Susanne Hakuba

Im zweiten Teil unserer Reihe zum 80. Jahrestag der „Wannsee-Konferenz“ geht es um den Umgang mit einem Mittäter des Nationalsozialismus in der eigenen Familie. Die individuelle Schuld des Vorfahren, seine Verstrickungen in das NS-Gewaltsystem bleiben in den Familien häufig unausgesprochen. Oft werden die Vorfahren nachträglich als Widerstandskämpfer oder Opfer stilisiert. Was bedeutet Vergangenheitsaufarbeitung in der eigenen Familie? Sind Nachkommen von NS-Tätern dazu verpflichtet? Warum ist es zumeist erst die Enkelgeneration, die das Schweigen bricht? Zu welchen Verwerfungen innerhalb und außerhalb der Familie kann das führen?

PAKH-Veranstaltung mit Achim Doerfer online

Vortrag und Gespräch mit Autor Achim Doerfer: „Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen. Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung“, Kiepenheuer & Witsch 2021

>> Kiepenheuer & Witsch

Der Rechtsanwalt und Autor Achim Doerfer, Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, erzählt aus seinem Buch und diskutiert mit den Zuhörer:innen

Moderation: Alexandra Senfft (PAKH)

17. März 2022 von 18-20 Uhr per Zoom



Trauer um den Journalisten Ingo Zander

Mit Trauer und Bestürzung mussten wir erfahren, dass der Journalist Ingo Zander am 27.10.2021 unerwartet gestorben ist. Ingo Zander gehörte zu den Journalisten, die keine Scheu vor dem journalistischen Kontakt mit AfD Mitgliedern hatten, und war eine stetig warnende Stimme vor den rechtsradikalen, rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft. Ingo Zander war dem Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH freundschaftlich verbunden. Er hat sich nicht nur von Zeit zu Zeit in verschiedenen Gruppen, wie dem Literaturkreis oder in der Gruppe „Aktuelles“ mit seinem profunden Wissen zu den Themen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und AfD eingebracht, sondern hat auch in der Sendung „Neugier genügt“ auf WDR 5 über den PAKH berichtet. Seine Stimme wird fehlen.

Online Veranstaltung: Das Elend der Verschickungskinder

7. Mai 2021, 18-19:30 Uhr Einladung zu einem Online-Vortrag für PAKH Mitglieder, PAKH-Freund*innen und Kooperationspartner*innen.
Wegen einer Teilnahmebegrenzung bitten wir, sich bis zum 6. Mai zum Online-Vortrag per Email anzumelden unter info@pakh.de

Das Elend der Verschickungskinder ist erst seit August 2019 öffentlich geworden. Die 6-wöchigen Aufenthalte betrafen Kindern ab dem 2. Lebensjahr. In Kindererholungsheimen, Kinderheilstätten und Kinderkureinrichtungen herrschten in den 50-90er Jahren teils finstere und grausame Zustände. Noch weit nach Ende des Faschismus wurde dort unter Ausschluss der Eltern und der Öffentlichkeit eine schwarze  Pädagogik propagiert und praktiziert, die nicht in den Kompetenzbereich medizinischer Berufe fällt und dem Stand der Zeit nicht entsprach. Vierjährige Kinder wurden während dieser „Erholungsaufenthalte“ gedemütigt, beleidigt, geschlagen und in einer Weise traktiert und mit Strafen überzogen, die an NS-Gefängnisse erinnern. Die Motive der Ärzte und Pflegekräfte sind dabei kritisch zu untersuchen, da neben der vorgeblichen Absicht, den Kindern Erholung von Krankheiten angedeihen zu lassen, andere Motive und Interessen immer deutlicher zutage treten: Die Nachwirkungen der NS-Zeit sind überdeutlich. Anja Röhl hat in ihrem kürzlich erschienenen Buch: Das Elend der Verschickungskinder, erstmalig dieses Phänomen untersucht und stellt den aktuellen Forschungsstand vor. Anja Röhl machte das Trauma der Verschickungskinder 2019 in der breiten Öffentlichkeit publik. Als Betroffene gründete die Sonderpädagogin und Autorin 2019 mit anderen ehemaligen Verschickungskindern die Initiative Verschickungskinder (www.verschickungsheime.de). Sie hält Vorträge zum Thema und sammelt seit Jahren Betroffenenberichte. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Frühpädagogik, institutionelle Gewalt und transgenerationale Weitergabe von NS-Erziehung. Im Januar 2021 erschien ihr Buch »Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt« im Psychosozial-Verlag. Davor erschien von ihr 2013 „Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike“.