„Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich lieben kann,“ rutschte Peter Pogany-Wnendt in einem Gespräch mit seiner jüdischen Mutter heraus. Seitdem befasst er sich mit der Frage der Menschlichkeit. Die Weitergabe von Holocaust-Traumata ist sein Lebensthema.
WDR, 13.9.2020
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Das Böse in der Geschichte
Rezension von Jan Plamper
Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik und der Umgang mit Krieg, Besatzung, Aufarbeitung der Verbrechen – Vergleiche lassen sich als Quellenarbeit, Personengeschichte, Strukturanalysen oder mit Hilfe einer oral history ziehen. Die Philosophin Susan Neiman hat in ihrem Buch „Von den Deutschen lernen“ alles mit einbezogen, und Jan Plamper ist davon angetan:
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75 Jahre Kriegsende
In vielen europäischen Ländern ist der 8. Mai ein Feiertag. Auch in Deutschland wird an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Wie wichtig ist heute die Versöhnung über Grenzen hinweg? PAKH-Mitglied Beate Bornmüller in: sonntags, ZDF, 10.05.2020
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Susan Neiman: Von den Deutschen lernen
Wie Gesellschaften mit dem Bösen in ihrer Geschichte umgehen können

Deutschland als Vorbild? Susan Neiman vergleicht den deutschen und den amerikanischen Umgang mit dem Erbe der eigenen Geschichte.
Wie können Gesellschaften mit dem Bösen der eigenen Geschichte umgehen? Lässt sich – politisch gesehen – etwas von den Deutschen lernen? Als Susan Neiman, eine junge jüdische Amerikanerin, in den achtziger Jahren ausgerechnet nach Berlin zog, war das für viele in ihrem Umfeld nicht nachvollziehbar. Doch sie blieb in Berlin und erlebte hier, wie die Deutschen sich ernsthaft mit den eigenen Verbrechen auseinandersetzten: im Westen wie im Osten, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Als dann mit Donald Trump ein Mann Präsident der USA wurde, der dem Rassismus neuen Aufschwung verschaffte, beschloss sie, dorthin zurückzukehren, wo sie aufgewachsen war: in die amerikanischen Südstaaten, wo das Erbe der Sklaverei noch immer die Gegenwart bestimmt. Susan Neiman verknüpft persönliche Porträts mit philosophischer Reflexion und fragt: Wie sollten Gesellschaften mit dem Bösen der eigenen Geschichte umgehen?
Pakh auf Seiten 101f.
Enkel von Nazis brechen das Schweigen
Deutschland hat die NS-Zeit relativ gut aufgearbeitet. Doch innerhalb von Familien herrscht oft noch Schweigen – auch 80 Jahre nach Kriegsanfang. Über Enkel, die darüber reden wollen, dass der Opa ein Nazi war.
>> Deutsche Welle, 31.8.2019
Peter Pogany-Wnendt: Der Wert der Menschlichkeit
Psychologische Perspektiven für eine Humanisierung der Gesellschaft

Was geschieht, wenn Liebe und Menschlichkeit verloren gehen? Wie hängen Menschlichkeit und Täterschaft zusammen?
Peter Pogany-Wnendt entwickelt das Konzept einer Psychologie der Menschlichkeit, das auf Liebe als Antriebskraft menschlichen Strebens beruht. Anhand des Milgram-Experiments und des Holocausts zeigt er, wie Feindseligkeit und menschliche Destruktivität entstehen und dass der Verlust von Liebe und Menschlichkeit Individuen zu TäterInnen macht. Pogany-Wnendt hebt die zentrale Bedeutung der Liebe und den Wert der Menschlichkeit für das Überleben der Menschen hervor, denn nur durch sie ist die Bildung und Bewahrung einer humanen Gesellschaft möglich.
Peter Pogany-Wnendt, Dr. med., ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie in eigener Praxis in Köln. Er ist erster Vorsitzender des Arbeitskreises für intergenerationelle Folgen des Holocaust (ehem. PAKH e.V.).
>> www.psychosozial-verlag.de
Angela Moré: Zum psychoanalytischen Verständnis transgenerationaler Übertragungen
Erschienen in:
Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 169:2018(8), 232-240
This article first describes the background that led to comprehensive knowledge and systematic exploration of transgenerational transmission, in particular in the fields of psychoanalytic practice and theory formation. At the same time as knowledge was gained from the therapeutic work conducted with descendants of Shoah survivors, our understanding about the transgenerational transmission of attachment patterns improved within attachment theory.
This article also discusses different theoretical concepts of traumas that partially emerged from psychoanalytic work with descendants of Shoah survivors, and then focuses on the specific mechanisms and content of the trauma transmission and its consequences. Psychic processes such as scenic transmission, re-enactive transfer and projective identification will be discussed, and then specific aspects of relationships in perpetrators’ families and their transgenerational entanglements will be considered. In conclusion, the generalisability of these findings will be discussed.
Angela Moré ist Mitglied des Arbeitskreises für Intergenerationelle Folgen des Holocaust — PAKH. Sie ist Sozialpsychologin und Gruppenanalytikerin.
>> Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy
HörStoff: Schuldgefühle ohne Schuld
Wie Kriegsenkel die Traumata des Holocaust verarbeiten
Das Kriegserbe kann man oft an einem schmerzhaften Grundgefühl der Unstimmigkeit im Leben erkennen. Auch heute noch kennen es viele Menschen. Altersunabhängig. Geben es an die nächste Generation weiter. Zu hören am Samstag, 10. November, 9.05 Uhr, auf SR 2 KulturRadio.
Menschen. Altersunabhängig. Geben es an die nächste Generation weiter. Aber diese Kette lässt sich unterbrechen. Von Menschen, die den Mut haben, die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte zu lüften, offen zu reden. Sie tun nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch ihren Kindern. Und der sich derzeit radikal verändernden Gesellschaft. Der Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust bietet Hilfe an.
Am Samstag, 10. November 2018, 9.05 Uhr, auf SR 2 KulturRadio.
Von Ursula Reinsch
Filmtipp „Nachlass“: Mein Vater, ein Massenmörder des Holocaust
von Nils Michaelis, in:
>> Vorwärts
Hans Jürgen Paas: Glaube mir, ich habe von alledem nichts gewusst
Die Verstrickung von Unterstaatssekretär Martin F. J. Luther in den Holocaust

»Glaube mir, ich habe von alledem nichts gewusst« sagte Martin F. J. Luther im Mai 1945 zu seinem Sohn. Er war Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt unter Ribbentrop und Teilnehmer der Wannseekonferenz. Diese Geschichte brachte Hans Jürgen Paas, den Ehemann von Luthers Enkelin, dazu, dessen Lebenslauf und seine Verstrickung in den Holocaust intensiv zu erforschen.
Was hat ein Mensch in dieser Position wirklich gewusst? Was musste er als Teilnehmer dieser Konferenz zwangsläufig wissen, einer Besprechung, auf der ausführlich beratschlagt und maßgeblich mit darüber entschieden wurde, wo wie viele Juden vernichtet werden sollten? Allein Luthers berufliche Funktion, spätestens aber seine Konferenzteilnahme strafen seine Aussage Lügen!
Das vorliegende Buch ist nicht nur eine detaillierte Aufzeichnung von Luthers Lebensweg und Beschreibung seiner Persönlichkeitsstruktur, sondern auch eine generelle Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
Hans-Jürgen Paas ist Mitglied des Arbeitskreises für intergenerationelle Folgen des Holocaust (ehem. PAKH e.V.).
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt,
ISBN 978-3-7528-2987-7
