Als die Angst kam, wusste er noch nichts von seiner Familiengeschichte

Andreas Bönte erkrankt an einer Angststörung. Erst als er die Nazi-Vergangenheit seines Großvaters erforscht, versteht er, was mit ihm los ist.

PAKH-Mitglied Andreas Bönte in: DIE ZEIT, 1. August 2026

„Als die Angst kam, war Andreas Bönte Mitte 30. Gerade hatte er noch als Journalist erfolgreich vor Kameras gestanden, nun litt er unter Schlaflosigkeit, Zwangsgedanken und ständiger Unruhe. Es folgten Panikattacken. Erst nach Monaten in einer Klinik ging es Bönte besser. Während einer Familienfeier sprach er mit seinem Onkel darüber. »Du weißt schon, dass deine Mutter so eine Therapie nie machen würde«, habe der gesagt, »denn dann müsste sie über den Selbstmord unseres Vaters sprechen.«
Der heute 67-Jährige erfuhr damals nicht nur, dass sein Großvater sich das Leben genommen hatte. Sondern auch, dass er an einem der schwersten Verbrechen des Nationalsozialismus, den Pogromen im November 1938, beteiligt gewesen war. Jahre später begann Bönte, sich mit seiner Familiengeschichte und den Folgen der autoritären NS-Ideologie auseinanderzusetzen – und erkannte, wie sehr beides sein Leben beeinflusst hat. Heute sagt er, die Recherche zu seinem Großvater, aus der auch sein Buch Die Vergangenheit in mir entstand, habe ihm geholfen, mit seiner psychischen Erkrankung umzugehen.

Was Bönte erlebt hat, nennen Fachleute transgenerationales Trauma. Die Folgen einschneidender Erlebnisse im Leben von Müttern, Vätern und Großeltern können sich auf ihre Kinder und Enkel übertragen. Herausgefunden hat man das ausgerechnet durch die Opfer von Männern wie Böntes Großvater. Die Kinder von Holocaust-Überlebenden zeigten in Studien auch Jahrzehnte später noch Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen – obwohl sie erst nach 1945 zur Welt gekommen waren…“

Andreas Böntes Buch Die Vergangenheit in mir erscheint am 17. August 2026 im Herder Verlag.

>> zum gesamten Beitrag (DIE ZEIT, 1. August 2026, paywall)